16.12.2012

Bericht in "Allgemeine Zeitung": Modernes Hühnerfrikassee: Sternekoch Lafer eröffnet Schulmensa in Bad Kreuznach

Wir haben Johann Lafer bei der Eröffnung der Schulmensa in Bad Kreuznach unterstützt. Stefan Gerhardt ist links auf dem Bild zu sehen.


Sternekoch Johann Lafer (Mitte) bei der Eröffnung seiner Schulmensa in Bad Kreuznach. Foto: Isabel Mittler

Gebaut ist sie, eingeweiht auch – nun muss sich in der neuen Mensa des Gymnasiums am Römerkastell erweisen, ob das Konzept Johann Lafers für eine qualitativ hochwertige und regionale Schulverpflegung auch trägt. Bei der feierlichen Einweihung am Freitagmittag mit vielen Gästen und einer Stippvisite der Popgruppe „Die Prinzen“ gewann man nach den Äußerungen Lafers jedenfalls den Eindruck, dass man mehr nicht tun kann, um Schülern gutes Essen nahezubringen.

Die Schüler waren nicht nur in den Prozess der Speisenauswahl eingebunden, sondern auch bei der Gestaltung. Und der Starkoch hat zugehört und nicht versucht, seine Idealvorstellungen durchzusetzen. Deswegen räumte er in der Podiumsrunde auch freimütig ein, dass die Gerichte wie das vier Millionen Euro teure Gebäude anders aussehen würden, wenn er zu bestimmen gehabt hätte.

Bewusstsein schärfen

Sowohl Lafer als auch Bildungsministerin Doris Ahnen, Landwirtschaftsministerin Ulrike Höfken und Landrat Franz-Josef Diel betonten, es gehe bei dem Mensa-Projekt nicht nur um die Zubereitung von Speisen. Es gehe um die Bewusstseinsbildung in Bezug auf Ernährung, ja, aber auch dazu, wie die Lebensmittel zustande kommen, woher sie kommen, wer sie produziert – und wie viel einem das wert sein sollte.

Schulelternsprecherin Silke Fleer machte den Aspekt der Wertschätzung damit deutlich, dass so manche Eltern in einer Umfrage zur möglichen Preisgestaltung geäußert hatten, zwei Euro pro Mahlzeit müssten reichen. Das sei aber schlicht unmöglich, sagte Lafer. Der Preis wird nun bei drei Euro liegen, der Landkreis legt einen Euro drauf. Landrat Diel betonte, das werde an anderen Schulmensen des Kreises genauso gehandhabt.

Regional und nachhaltig

Das Prinzip der „Regionalität“ und der „Nachhaltigkeit“, das Lafer so am Herzen liegt, findet sich nicht nur auf der Speisekarte, sondern auch bei den verwendeten Baumaterialien. Das Haus in Holzbauweise nutzt Hölzer der Region und erreicht Passivhausstandard.

Das Projekt wird von der Hochschule Fulda wissenschaftlich begleitet. Man will untersuchen, ob die Schaffung eines solchen Angebots unter Partizipation von Schülern und Eltern langfristig einen Bewusstseins- und auch Handlungswandel in Bezug auf Ernährung bewirken kann. Professor Georg Koscielny machte deutlich, dass man Kindern mit dem Begriff „gesund“ erst gar nicht kommen müsse. Geschmack stehe an erster Stelle. Das bestätigte Schülersprecher Marc-Niklas Janz: Döner, Pizza, Nudeln – das seien in etwa die Wünsche der Schüler gewesen, die im Vorfeld geäußert wurden. Lafer selbst wurde von einigen Erkenntnissen überrascht.

Seelachs schlägt Bratwurst

So stand auf der Liste der gewünschten Speisen „Seelachs mit asiatischen Nudeln“ ganz oben, was er gar nicht glauben konnte. Bis er die plausible Erklärung bekam: In der Nähe der Schule gibt es einen asiatischen Imbiss, bei dem sich die Schüler gerne die besagten Nudeln besorgen. Deswegen hätten sie das Fischgericht angekreuzt und sich wohl dabei gedacht, den Lachs könne man dann ja liegen lassen.

Ebenso überraschend war für Lafer, dass „Bratwurst mit Pommes“ ganz weit unten auf der Liste stand. Kann doch gar nicht sein, dachte sich der Starkoch, jedes Kind esse doch gerne Wurst und Pommes. Die banale Erklärung: Kurz zuvor gab es an der Schule Bratwurst mit Pommes von einem Caterer, die den Schülern nicht geschmeckt hatten. Noch ein Schmankerl: Spaghetti Bolognese fielen durch, Nudeln mit Hackfleischsauce hingegen wollten alle haben.

Die Familien erreichen

Am Samstag und Sonntag lädt Lafer – auf seine Kosten – alle Kinder mit Eltern des Röka ein, die Mensa auszuprobieren. Denn man wolle natürlich auch über die Schüler die Eltern erreichen und bei ihnen langfristig etwas bewirken.

Essen dürfen in der Röka-Mensa übrigens nur die 1.200 Schüler des Gymnasiums, die benachbarten Realschüler zunächst nicht. Man spreche miteinander, so Röka-Schulleiter Hermann Bläsius, aber die neue Mensa sei für zwei Schulen zu klein. Die Realschule Plus bekommt an ihrem neuen Standort Ringstraße allerdings eine neue Mensa, bei deren Gestaltung nunmehr auch Erkenntnisse aus der Röka-Modellmensa einfließen.

Quelle: Allgemeine Zeitung, 09.11.2012, Robert Neuber